„Es braucht ein bisschen Mut, um zu experimentieren.“
Prof. Dr. Daniel Burda ist Professor am Fachbereich Informatik – und Early Adopter der E-Prüfungen. Er ist seit 2022 dabei. Das Jahr, in dem das Angebot startet. Inzwischen gibt es drei Prüfungsräume, in denen 130 Studierende Platz finden. Herr Burda unterrichtet Fächer an der Schnittstelle zwischen Informatik und BWL, in allen Modulen bietet er E-Prüfungen an. Dabei ist er immer noch auf einer Reise, probiert neue Features aus.
Guten Tag, Herr Burda, wie hat das für Sie angefangen mit den E-Klausuren?
Bevor es die Möglichkeit gab, hier E-Klausuren durchzuführen, habe ich in meinen Moodle-Kursen den Studierenden für jede Lektion Quizfragen bereitgestellt: Self Assessments, die ich nicht korrigiert und nicht bewertet habe. Ein Angebot, bei dem die Studierenden sich selbst prüfen konnten: Habe ich das verstanden? Wo muss ich nochmal reinschauen?
Das Feedback der Studierenden war gut, ich habe das über alle meine Lehrveranstaltungen hinweg ausgebaut und das war ein fließender Übergang zu den E-Prüfungen, bei denen auch Moodle-Tests zum Einsatz kommen. Das funktioniert sehr stabil und sehr gut, auch weil das Team immer zügig und gewissenhaft unterstützt. Die Planung, Durchführung, Korrektur, Einsicht – also der gesamte Lebenszyklus einer Klausur – ist strukturierter als auf Papier und die Korrekturqualität sowie die Nachvollziehbarkeit besser. Gleichzeitig ist es für mich immer noch eine Reise. Ich probiere immer wieder neue Dinge aus, um meine Prüfungen zu verbessern
Funktioniert die Auswertung effizienter?
Ja, allein dadurch, dass gewisse Fragetypen automatisiert bewertet werden. Dann bleiben im Prinzip nur die offenen Fragestellungen mit Freitextfeldern, die ich mir anschaue. Zudem lassen sich die Ergebnisse komfortabel in Excel exportieren, so dass eine manuelle Übertragung der Punkte/Noten nach HISinOne entfällt. Weniger Medienbrüche, weniger Fehlerpotential.
"Auch bei E-Prüfungen kommt es auf die eigene Lehre und persönliche Präferenzen an."
Machen Sie bei E-Prüfungen didaktisch etwas anders?
Da gibt es eine grundsätzliche Diskussion: Inwieweit kann man standardisierte Fragen wie Multiple Choice einsetzen? Inwieweit sind diese adäquat, um Lernziele zu überprüfen? Ich bin der Meinung, das funktioniert methodisch für meine Lehre. Das wird in der Praxis an diversen Stellen für Zertifizierungen im Projekt- und Sicherheitsmanagement, in der IT sowie beim Führerschein eingesetzt. Aber man hat in Moodle aufgrund der Vielfalt an Fragetypen diverse Möglichkeiten, Prüfungen zu entwickeln und natürlich könnte man auch Prüfungen mit ausschließlich offenen Fragestellungen anbieten. Das kommt dann auf die eigene Lehre und persönliche Präferenzen an.
Welche Rolle spielt AI bei E-Prüfungen und was erwarten Sie in Zukunft?
Stand heute würde ich sagen, sollten wir den Zugriff auf AI während der Prüfung und unabhängig vom Medium – ob E- oder Papier-Klausuren – nicht möglich machen. Da geht es für mich um grundlegende Dinge, welche die Studierenden auch ohne AI können sollten und insofern würde ich das Thema bei der Prüfung gerne ausklammern.
Im Rahmen der Lehre sehe ich das anders: Da macht es Sinn. Ich bin der Überzeugung, dass wir den Studierenden zeigen müssen, wie diese Tools funktionieren und wie sie auch nicht funktionieren. Dafür Verständnis zu schaffen, ist auch unser Auftrag.
Wo nutzen Sie AI denn selbst in Ihrer Lehre?
Ich habe einen relativ großen Fragenkatalog für meine Veranstaltungen. Diverse Lektionen mit über 300 Fragen, die gepflegt und weiterentwickelt werden müssen. Hier habe ich erste Versuche gemacht, aus der Literatur und meinen eigenen Folien automatisiert Fragen zu generieren.
Der Prompt war grob: „Lese dieses Paper und meine Folien, erstelle mir zehn Multiple Choice Fragen und bringe sie ins Moodle Question Format, sodass ich sie direkt hochladen kann.“
Das hat funktioniert. Natürlich muss man die Fragen vorher nochmal überprüfen und i.d.R. anpassen. Es zeigt sich häufig, dass gewisse Fragen/Antworten faktisch zwar richtig, aber häufig zu trivial sind. Das passe ich dann an.
"Unser Aushängeschild ist – und sollte auch weiterhin sein – dass wir einen hohen Praxisbezug herstellen in allen Dingen, die wir vermitteln."
Wenn Sie Ihren Fragenkatalog und Ihre Lehre allgemein weiterentwickeln… Was beachten Sie dabei im Hinblick auf die Studierenden? Wie vermittelt man ihnen das Wissen gut?
Unser Aushängeschild ist – und sollte auch weiterhin sein – dass wir einen hohen Praxisbezug herstellen in allen Dingen, die wir vermitteln. Bei theoretischen Grundlagen fällt es einem vielleicht hier und da schwer, aber man sollte trotzdem immer wieder versuchen, in der Lehre den Praxisbezug wirklich deutlich zu machen, um zu zeigen, dass es relevant ist und warum.
Und da ist AI im Moment das einschneidende Thema, was uns alle betrifft. In jedem Bereich sollten wir da offen sein, die Entwicklung im Auge behalten und den Studierenden den Umgang nicht verbieten, sondern ein reflektiertes Nutzen unterstützen. Das wird wichtig sein für die Zukunft.
Nochmal zurück zu den elektronischen Klausuren: Haben Sie vielleicht noch einen Tipp, der fachunabhängig für alle Lehrenden wichtig ist?
Wenn man damit noch gar nichts zu tun hatte, dann erscheint einem am Anfang die Lernkurve recht hoch. Also Tests einzurichten, alles richtig zu konfigurieren, dann die Fragen zu implementieren und so weiter und so fort. Der Aufwand scheint jedoch größer, als er ist.
Meiner Erfahrung nach kommt man da schnell rein. Man muss sich einfach mal diese Einarbeitungszeit nehmen: Nach einem halben Tag hat man einen relativ guten Überblick. Und ja, wie mit allen Dingen geht es natürlich beim zweiten, dritten Mal deutlich schneller. Ich würde alle ermutigen, es mal zu probieren. Für mich ist es wie gesagt eine Reise und ein Prozess, bei dem ich Dinge ausprobiere. Von Semester zu Semester schaue ich mir an, ob es einen anderen Fragetypen gibt, ob ich den mal einbinden sollte, ob der vielleicht für eine bestimmte Aufgabe besser geeignet ist.
Es braucht ein bisschen Mut, um zu experimentieren. Und Raum, um einen eigenen Stil zu entwickeln, wie es ja auch auf Papier der Fall ist. Jeder hat seine eigene Art und Weise, bestimmte Fragen zu stellen, bestimmte Aufgaben zu definieren und ich denke, das lässt sich auch auf E-Klausuren übertragen. Also einfach ins kalte Wasser springen, die ersten Erfahrungen machen, kleine Prototypen erstellen und der Rest ergibt sich dann.
Herr Burda, ich danke Ihnen für das Gespräch!
Wenn Sie ins kalte Wasser springen und erste Erfahrungen mit E-Prüfungen machen möchten, wenden Sie sich gerne an das Team: e-klausuren@h-da.de. Felix Schmandt und Lisa Sponholz-Lust unterstützen den gesamten Prozess – von den ersten Prototypen über die Probeklausur bis hin zur Prüfung.